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Segnung eines Lebensbündnisses Orgel - Begrüßung liturgische Eröffnung Guter Gott, wir danken dir, dass du uns füreinander geschaffen hast, dass wir uns begegnet sind und einander lieben. Lass die Liebe in uns wachsen, damit wir uns immer besser verstehen und uns gegenseitig glücklich machen. Alle wahre Liebe stammt von dir und führt zu dir. Du hast unserem Leben durch diese Liebe einen neuen Inhalt und ein neues Ziel gegeben. Zeige uns den richtigen Weg zu diesem Ziel und hilf uns, ihn zu gehen. Amen. Psalm 67 - Lied: "Bewahre uns Gott" 1-2 Bibeltext: Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat (Epheser 5,2) Was für eine Erlaubnis an diesem Tag, lebt in der Liebe wie Jesus Christus, der besondere Liebe empfing von einem Mann Johannes und von Frauen wie Maria aus Magdala. Was für eine Erlaubnis und Weite, an die wir in seinem Namen erinnert werden. Von Jesus wird erzählt, wie er liebte und lebte. Da wird erzählt, dass er in seiner Hinwendung zu seinen Mitmenschen nicht nur emotional sehr offen sein konnte und verständnisvoll unterstützend, sondern auch handfest streitbar. Von Jesus wird erzählt, wie er liebte und lebte. Da wird erzählt: er war einer, der auch seine Grenzen erkannte, der sich zurückzog, wenn ihm alles zu viel wurde. Von Jesus wird erzählt, wie er liebte und lebte. Da wird erzählt, dass er mitnichten für alle da war. Er war einer, der auswählte, wem er seine Gesellschaft gab, der Freunde brauchte und in der Angst sein Alleinsein beklagte. Von Jesus wird erzählt, dass ihm bei der Herausforderung zur Selbsthingabe sich alles sträubte und dass ihm der Schweiß ausbrach, Angst und Zittern wegen dieser Zumutung. Ein Leben in der Liebe ... Einer, der 30 Jahre brauchte, um seinen Weg zu finden. Ein Weg, der ihn herausführte aus den vertrauten Traditionen. Und da geschieht es: seiner Familie wird er zur Last durch sein auffälliges Verhalten, es kommt zu Trennungen und neuen Vergeschwisterungen. Coming out - im Namen Gottes und der Liebe, die er glaubt und der er viel Kraft zutraut. Wege der Liebe zu gehen, kann herausführen aus gesellschaftlichen Normen, hinein in ganz neue Kreise, kann Trennungen herausfordern und neue gute Erfahrungen bringen denen, die in Liebe zusammenkommen. Für mich ist das Reden von der Liebe, auch von der Liebe Gottes, ein anderes Wort für Nähe: Von der Gewissheit der Nähe Gottes hat Jesus gelebt. Gott, uns ganz nah, Gott mitten unter uns, in anderen, die mir begegnen. Was für eine Sicht auf unser Leben und auf unser Miteinander. Lebt in der Liebe, das heißt fürmich, lasst uns Nähe miteinander suchen, auch die Nähe des Streitens, die Nähe der Zärtlichkeit und Berührung auf allen Ebenen unseres Lebens. Jesus hat diese Nähe gelebt mit Männern und mit Frauen. Lebt in der Liebe wie Jesus Christus. Was für eine Erlaubnis; Gott sei Dank. Orgel Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei - so lässt der Erzähler der Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel Gott sprechen. Er erzählt weiter, dass Gott dem Menschen ein Gegenüber schafft, in diesem Fall eine Partnerin, eine Frau, weil Adam ein Mann ist. Viele möchten daraus ableiten, dass es deshalb nur zwischen Mann und Frau eine wirklich glücklich machende Verbindung geben könne. Viele möchten daraus ableiten, dass es deshalb nur zwischen Frau und Mann eine wirklich gottgewollte Verbindung geben könne. Beide Einwände stelle ich theologisch und von unseren/von euren Erfahrungen her in Frage. Gott sagt, es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Viele andere Texte und Geschichten der Bibel können und müssen diesen Satz auslegen helfen: Texte, die das Zusammenleben der Menschen - losgelöst von der Fixierung auf Mann und Frau - beschreiben, wie die Worte aus dem Predigerbuch, die so beginnen: "Zwei sind in jedem Fall besser dran als eine(r) allein." Geschichten, in denen Menschen zum Beispiel anfangen, von der besonders engen Freundschaft zwischen zwei Frauen zu erzählen und so neuen Erfahrungen Raum geben. Die Erzählung von Ruth und Naomi, zwei Frauen verschiedenen Alters und aus verschiedenen Ländern, die im Heimatland der Naomi einen neuen Anfang wagen, ist und bleibt die Geschichte einer tiefen, liebevollen und gegenseitig stützenden Bindung, wie ihr sie erfahren habt und erfahren dürft. Und diese Geschichte steht in der Bibel, weil Menschen hier Gott und seinen Segen verstanden haben. Ich, als Pfarrerin und Vertreterin der Martin-Luther-Gemeinde, segne euch. Wir, die Mitglieder unseres Gemeindekirchenrates, wünschen euch die Begleitung Gottes auf eurem persönlichen Lebensweg und jedem einzelnen von euch. Wenn wir euch heute als gleichgeschlechtliches Paar segnen, erklären wir eure Lebensform als eine der von Gott den Menschen geschenkten Möglichkeiten. Wir wissen, dass diese Meinung und solch eine Segnung noch nicht dem gesamtkirchlichen und gesellschaftlichen Konsens entspricht. Aber aus der Beschäftigung mit biblischen Texten heraus wissen wir, dass Homosexualität in der Bibel dort scharf verurteilt wird, wo sie als Vergewaltigung, als Prostitution gelebt wird. Partnerschaftliches Zusammensein, wie ihr und andere es leben, ist an solchen Stellen gar nicht im Blick und nicht Gegenstand der Verurteilung. Weiterhin haben wir die Einsicht, dass der Wille Gottes sich nicht nach dem gesellschaftlichen oder kirchlichen Konsens richtet, sondern dass er da zum Zuge kommt, wo wir einander Raum zum Leben zugestehen und eröffnen. Darum geben wir mit unserem Gemeindekirchenrat euch, die ihr an anderer Stelle noch keine offizielle Legitimation erhaltet, Würdigung und Schutz und wünschen euch einen gesegneten Weg - einen Weg im Sinne Gottes mit gegenseitigem Verstehen, Achten und Begleiten. Orgel Vor Gott und dieser Gemeinde frage ich dich: Bist du bereit, N. N. als Mensch in ihrer Eigenheit zu respektieren und zu schützen; wirst du dir Mühe geben, anzunehmen statt abzustoßen, zu heilen und nicht zu verletzen, zum Leben zu erwecken und nicht zu unterdrücken. Willst du N. N. als Partnerin für dein Leben annehmen, die dir zu dir selbst und bei der Suche nach Gott hilft, so antworte: Ja, mit Gottes Hilfe. Wort der Partnerinnen zueinander Segenswort - Umarmung - Musik Wünsche Ich lade nun auch die anderen Anwesenden ein, das Lebensbündnis dieser beiden zu bezeugen und zu bekräftigen. Tragen Sie sich in die hier ausliegende Urkunde ein. Gratulieren Sie den beiden: und dies können Sie heute in besonderer Weise tun. Benetzen Sie Ihre Finger mit etwas duftendem Öl und berühren, ja salben Sie den beiden damit Stirn und Hände. Lied: "Bewahre uns Gott" 3-4 Gebet Du guter und achtsamer Gott, halte uns in Bewegung, dass wir dir nachfolgen und andere Menschen als deine geliebten Kinder wahrnehmen und achten: Menschen, die uns anvertraut sind, solche, mit denen wir leben müssen, solche, mit denen zu leben uns glücklich macht. Gott, lass uns dir nachfolgen und der Weite deiner Großherzigkeit, in der auch ganzheitliche Frauenund Männerliebe Platz hat und wachsen darf. Ich bete für die, die ihre Lebensweise verbergen, die Missachtung und Druck erfahren. Ich bete und suche nach einer Gemeinschaft von Frauen und Männern, in der wir einander Liebe erweisen: mitfühlend - freundlich - achtungsvoll - geduldig, denn in diesen Frieden hast du, Gott, uns miteinander gerufen. Vater unser - Segen - Orgel |
Monika Weber |