Die Hütte Gottes bei den Menschen
Visionen einer gerechten Welt und der Ort der Kirche - Vortrag in der Feministischen Basisfakultät beim Kirchentag in Hannover
von Elisabeth Raiser

Die Macht der Bilder - Bilder von Macht

Die "Hütte Gottes bei den Menschen", das ist ein auf den ersten Blick bescheidenes Bild von Gottes Gegenwart. Es weckt keine Assoziationen von Pracht und Macht, sondern von Kargheit, von einem Lehm- oder Holzboden und knappem Brot, das geteilt wird. Wenn wir von der Hütte Gottes unter den Menschen hören, dann haben wir ein Bild vor uns, das von armen Menschen entworfen wurde, sozusagen von unten her, nicht von den Machthabern dieser Welt.

Es gibt Bilder vom "unten" - und es gibt Bilder vom "oben". Das Interesse der Menschen richtet sich meist auf die Bilder vom oben, auch oder gerade wenn sie arm und verzweifelt sind. Denn diese Bilder zeigen ein besseres Leben: Sicherheit, Wohlstand und Glanz. Es sind Bilder von Macht, an der alle teilhaben möchten. Da sind Bilder von reich ausgestatteten Villen, von eleganten und schnellen Autos, von teuren Kleidern, von weiten, luxuriösen Reisen …. Unser Enkel, den ich, als er zehn war, einmal fragte, was er werden wollte, sagte: "Reich - dann kann ich alles machen!" Die Bilder vom oben sind stark und prägend. Denn sie geben den Menschen die Vorstellung: auch ich kann's schaffen! Die hohen Türme der Banken und Geldinstitute sind ein Bild, das wir alle vor uns haben. Sie versinnbildlichen die Tatsache, dass zwar nur einige, die Aktionäre, teilhaben an dem steil aufragenden Wohlstand unserer Zeit, aber dass wir alle es schaffen können. Sogar bis zur Chefetage ganz oben.

Dorabella klettert die Leiter hinauf, setzt sich eine goldene Nase auf und jubelt: "Ich hab's geschafft - was will ich mehr?"

Ja, sie hat's geschafft! Und nun? Und die andern?

Mir fallen Bilder ein, die ebenfalls Glanz und Macht darstellen, aber viele Millionen Menschen einbeziehen: Bilder von der Kirche, die uns eine andere, Gemeinschaft stiftende Macht von Bildern nahe bringen. Menschenwogen auf dem Petersplatz; zuerst ein todkranker Papst, der vor aller Welt mit seiner Krankheit kämpft und sich eine ersterbende Segensgeste abringt: Mitleid, Trauer erfüllten nicht nur die Menschen auf dem Platz, sondern die Millionen weltweit, die an den Bildschirmen hingen. Dann ein großartiges Begräbnis, mit hunderten würdevoller Kardinäle und wieder der Millionenmenge in dem wuchtigen Petersdom, auf dem Platz davor, in den Straßen Roms, auf den Pilgerwegen, in den Städten Polens. Und schließlich die Wahl und Einsetzung des neuen Papstes, Benedikt XVI. Wieder ähnliche Bilder für die Welt. Und die Welt schaute hin. Es waren Bilder von Autorität, von dem wichtigsten geistlichen Führer, der zu einer Ikone wurde, von einer Kirche und ihren Gläubigen, die in all diesen Tagen und Wochen als die einzige dastand.

Mein Protestantenauge und Herz hatte etwas Mühe. Aber ich dachte dennoch: sie können die Massen begeistern und an sich binden, sie verstehen etwas von der Sehnsucht der Menschen nach klarer geistiger und geistlicher Orientierung. Sie verstehen etwas von der Inszenierung von Bildern geistlicher Macht, denn sie verstehen etwas von der Macht der Bilder. Ich sage das neidlos und mit einem guten Schuss Bewunderung. Sie sind unsere Brüder - die Schwestern sind auf dieser Ebene ja nicht wirklich anzutreffen. Ich wünsche ihnen nahe zu sein, denn sie glauben wie ich an den einen Gott, an Jesus Christus, den Heiland, und an die Kraft des Geistes.

Aber zugleich frage ich mich: Ist dieses Bild von Kirche ein Bild für die Hütte Gottes unter den Menschen? Ein Bild für eine gerechtere Welt und für den richtigen Ort der Kirche? Eine Hütte, oder ein Zelt, wie man die Wohnung Gottes bei den Menschen in der Offenbarung auch übersetzen kann, ist der Petersdom ja nun nicht gerade. Auch die großen Kathedralen nicht, die z. T. uns Protestanten gehören, und auch die orthodoxen Kirchen mit ihren vergoldeten Kuppeln nicht. Ein Stück weit sind all diese Gebäude und die dahinter stehenden Institutionen auch Ausdruck von menschlicher Macht, selbst wenn sie die Macht Gottes und nicht der Menschen darstellen wollen. Wir wissen alle, dass die real existierenden Kirchen in ihrer Geschichte immer in Gefahr gewesen sind, sich der weltlichen Macht anzugleichen, viel Glanz und Reichtum anzusammeln und nach außen sichtbar darzustellen. Die offiziellen Bilder von Kirche vermitteln gerade in solchen Momenten wie dem Tod des Papstes und der Inthronisation eines Nachfolgers ein deutliches oben und unten, wir können die Hierarchien, die nicht zu durchbrechen sind, in solchen Zeiten sinnlich sehen. Stellvertretend für die vielen Gläubigen, die kaum je aus ihrer Armut befreit werden, stellen die Würdenträger den Glanz und die hohe Würde des Menschen dar. Als Fußvolk dabei sein zu können, zu dieser Gemeinschaft dazuzugehören, ist ein Trost. Die einfachen Leute sind also nicht ausgeschlossen. Sie können an dem Schauspiel teilnehmen und den Segen empfangen. Aber vermitteln diese Bilder von Kirche Visionen einer gerechteren Welt, von der Hütte Gottes unter den Menschen? Wohl eher nicht!

Das neue Jerusalem

Zurück zum Bild von der Hütte Gottes unter den Menschen. Woher kommt es? Der Evangelist Johannes entwickelt diese Vision am Ende seines Buches der Offenbarung. Johannes lebte inmitten einer kleinen christlichen Gemeinde, die rundum Verfolgungen ausgesetzt und arm war. Krankheit und Tod waren die täglichen Begleiter, Angst und Not und Trauer beherrschten die Gemüter. In dieser Situation spricht Johannes von dem neuen Jerusalem, in dem Gott vom Himmel herab kommt. Er nennt es bescheiden die Hütte Gottes bei den Menschen, denn die Menschen, zu denen er spricht, leben nur in Hütten. "Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." Und etwas weiter heißt es: "Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." Ganz ähnlich hatte es schon beim Propheten Jesaja geheißen, der ebenfalls in eine trostlose Situation hinein ein Bild von einem glücklichen Leben ohne Tränen und Leid entworfen hatte; ein Bild, in dem die Menschen alt werden können und die Kinder nicht mehr sterben; in dem sie die Früchte auf den Feldern selber ernten können und immer genug und reichlich zu essen haben; in dem sie in den Häusern, die sie gebaut haben, auch selber wohnen werden - und schließlich in dem Friede herrscht, nicht nur zwischen den Menschen, sondern sogar zwischen den Tieren. Johannes und vor ihm Jesaja entwickeln diese Visionen aus einer Position der Machtlosigkeit und Abhängigkeit und man merkt es diesen Bildern an.

Wenn man sich die Bilder heute vor Augen führt, dann denkt man unwillkürlich an die Menschen in den ärmsten Regionen der Welt. Alle diese Wünsche und Hoffnungen sind für sie nicht erfüllt; sie sehnen sich nach diesen einfachen Geschenken des Lebens: genug zu essen zu haben, ein Dach über dem Kopf, Bildung, Arbeit, von der sie leben können; Sicherheit vor Kriminalität und Gewalt. Sie träumen von einer besseren Zeit und haben Visionen, die sie beflügeln. Das war in biblischen Zeiten so und das ist heute ebenfalls noch so. Dabei haben sich die Bilder gar nicht wesentlich geändert: wie Jesaja von den bestellten Feldern und den Frucht bringenden Weinbergen und von Gesundheit und getrockneten Tränen aller Generationen spricht, so sieht man auf den Hungertüchern der Fastenzeit aus Lateinamerika oder aus Afrika oder Indien Szenen des täglichen einfachen Lebens, in dem Frieden herrscht und die Gewalt der Militärs keine Macht mehr hat. Wer einmal das Glück hatte, solche Menschen zu besuchen oder kennen zu lernen, trägt ihr Leid und ihre Sehnsucht mit sich. Aber er oder sie trägt auch ihre Hoffnungsgeschichten mit sich.

Die Visionen des Johannes von der Hütte Gottes bei den Menschen entwerfen allerdings zusätzlich zu den von Jesaja übernommenen Bildern das neue Jerusalem. Auch dabei greift er auf ältere prophetische Bilder aus der hebräischen Bibel zurück, die im jüdischen Volk immer lebendig waren: es sind die Beschreibungen der zukünftigen Gottesstadt bei Ezechiel (Kap. 40). Das neue Jerusalem ist eine leuchtende Stadt mit zwölf geschmückten Toren, die nie geschlossen werden; die Stadt hat einen weiten Marktplatz, breite und lange Straßen - die Dimensionen sind unvorstellbar groß - und, was ich besonders spannend finde: es ist eine Stadt ohne Tempelgebäude, denn Gott ist überall gegenwärtig und ist selbst Tempel der Menschen. Alle Völker werden kommen und hier zusammen wohnen, niemand wird ausgeschlossen - wie gesagt, die Tore stehen immer offen.

Ein Strom lebendigen Wassers fließt durch die Stadt, an dessen Ufern Bäume des Lebens wachsen, die stets Früchte tragen und deren Blätter zur Heilung der Nationen, zum Frieden dienen. Es ist ein Bild des vollkommen glücklichen Lebens, und dazu ein leuchtendes Bild voller Glanz und Licht, mindestens so hell und prächtig wie die verlockenden Bilder des Wohlstands, von denen vorher die Rede war. Und doch kommt dieses Bild aus einer Situation der Machtlosigkeit. Was unterscheidet es dann von Bildern der Macht und des Reichtums? Entscheidend scheint mir, dass in diesem Bild die Tore weit geöffnet sind, niemand also ausgeschlossen ist, keiner durch das Nadelöhr des Aufstiegs dorthin gelangt, sondern jede und jeder als von Gott geliebter Mensch an diesem erfüllten Leben teilhaben kann. Darin erinnert es an die Bilder, die die junge christliche Gemeinde vom Wirken Jesu in sich trug: z. B. von der Speisung der Fünftausend, bei der alle satt wurden - oder von den Heilungen der Aussätzigen, von den Heilungen der Frauen, von den Mahlzeiten mit den Sündern und Zöllnern. Alle sind einbezogen, alle haben Anteil an der Heilung und damit an der Gerechtigkeit Gottes. Es gibt keine Auswahl der Besten, keinen Sozialdarwinismus. Visionen von einer gerechteren Welt sind in der Bibel immer Visionen, die vom Rand in die Mitte blicken und nicht von oben nach unten. Sie entwerfen daher Bilder von einer großen, umfassenden Gemeinschaft der Verschiedenen, an der alle teilhaben. Gerechtigkeit bedeutet, dass diese Teilhabe vollumfänglich möglich ist. Dazu bedarf es zunächst der besonderen Aufmerksamkeit für die Verlorenen und Ausgegrenzten. Gerechtigkeit in diesem Sinn ist das Zurechtrücken schiefer, ungleicher, nicht miteinander vergleichbarer Verhältnisse. Das hat dann auch mit Machtverhältnissen zu tun. Wenn die Macht nur auf einer Seite ist und die Verzweiflung auf der andern, kann eine umfassende Gemeinschaft nicht gedeihen.

Land ohne Mauern

Johannes spricht vom neuen Jerusalem: wie könnte man anders als an das heutige Jerusalem zu denken. Mich erfüllt große Trauer, wenn ich diesen Vergleich ziehe. Ein Bild des gegenwärtigen Jerusalem und des umliegenden Landes, das zurzeit alle andern Bilder verdrängt, ist das der Mauer, die zwischen dem israelischen und dem palästinensischen Gebiet hochgezogen wird. Ich habe vor einigen Tagen den Film "Mauer" von Simone Bitton gesehen, in dem die Kamera stundenlang an dieser Mauer entlangführt - einer Mauer aus Beton, aus Stacheldraht und elektronischen Wachanlagen, mit breiteren oder schmaleren Sicherheitsstreifen. Das Ziel der Mauer ist, die Sicherheit Israels zu vergrößern und das Land gegen palästinensische Attentäter abzuschirmen. Das Schutzbedürfnis kann man verstehen. Aber die Anlage verfestigt die verzweiflungsvolle Realität des Landes, die das Gegenteil von der Vision des Johannes ist: Anstelle der offenen Tore eine undurchdringliche Mauer und Kontrollen an jeder Straße; anstelle von Frieden und gutem Leben für alle Misstrauen, Angst, Gewalt, anstelle von Heilung tiefe Depression, anstelle von Bäumen, die das ganze Jahr Früchte tragen, abgehauene Olivenbäume. Jerusalem, wenn ich dich je vergesse, so verdorre meine Rechte, heißt es in Psalm 137. Die Sehnsucht und die Liebe zu dieser Stadt und diesem Land sind seit Jahrtausenden sehr groß, aber sie sind es auf beiden Seiten, bei den Juden und bei den Arabern.

In dem Film sagt ein Israeli sinngemäß: Unser Leben ist heute: einschließen und eingeschlossen werden. Wir waren auch in Lodz eingeschlossen - es ist wie ein Wiederholungszwang. Damals trugen wir eine heiße Liebe zu diesem Land in uns. Aber sie ist zu einer Besitz ergreifenden Liebe geworden. Wir lieben unser Land so sehr, dass wir es erdrücken und ihm die Luft zum Atmen nehmen. Der einzige Trost wird sein: wir haben es uns selbst angetan. Er zeigt auf Olivenhaine jenseits der Mauer. "Die Oliven sind dieses Jahr an den Bäumen verfault, weil die Mauer die Bauern von ihren Olivenhainen trennt und sie daher sie nicht ernten konnten." "Wir müssen verhandeln - es gibt keine andere Wahl", sagt ein anderer. Er träumt von einer Zeit, in der seine Kinder wieder ruhig auf der Straße spielen können und die ewige Angst vorbei sein wird. Eine Vision von Frieden in ganz kleinem, bescheidenem Maßstab. Aber ihm ist klar: nicht durch die Mauer, sondern nur durch Verhandlungen können sie dahin gelangen. Palästinensische Arbeiter versuchen die Mauer in der Nähe von Bethlehem zu umgehen, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen. Es gibt noch ein Schlupfloch. "Wie sollen wir unsere Familien in Zukunft ernähren, wenn die Mauer ganz zu ist", fragt einer. "Die Mauer erstickt uns." Verschleierte Frauen klettern über die Mauer, manchmal ein Kind im Arm, alte Frauen und Männer, denen es sichtlich Mühe macht, suchen sich einen Weg. Noch ist das an einigen Stellen möglich. Wie lange noch? Wir gehen alle sehr nachdenklich aus dem Film. Er zeigt Bilder und lässt Menschen vor Ort sprechen. Sie reden ohne Hass, aber alle mit einer Sehnsucht nach einem besseren Leben, auf beiden Seiten. Aber es ist, als schöbe sich die Mauer zwischen sie und diese Sehnsucht.

Die Bilder und Visionen einer gerechteren Welt lassen sich nicht vereinen mit den Bildern von überlegener Macht und Abgrenzung. Die einen schließen die andern aus. Ich denke, das gilt sowohl für die Mauer wie für die hohen Bankentürme: sie können keine Bilder einer gerechteren Welt sein. Aber hier möchte ich Heinrich Albertz beim Kirchentag 1989, als die Mauer in Berlin noch stand, zitieren. "Mauern bröckeln mit der Zeit, sie verwittern unter Sturm und Regen. Wir müssen es nur darauf regnen lassen." Was auch immer das heißt! Diese Frage sich ständig zu stellen, ist Aufgabe und Ort der Kirche! Vielleicht kann ihr dabei ihre eigene Tradition mit ihrem reichen Schatz der biblischen Visionen von der offenen Stadt und dem Reich Gottes helfen. Wenn sie selber an diese Visionen und ihre verwandelnde Kraft wirklich glaubt, wird ihr Ort sich finden. Sie muss sich eindeutig, so scheint mir, auf die Seite des Rechts stellen, das den Machtmissbrauch zu verhindern sucht. Eine gerechtere Welt braucht heute vor allem verbindliche Regeln, deren Respektierung von allen verlangt wird, gleichgültig wo sie leben und arbeiten. Und diese Regeln müssen die Armen schützen, sonst sind sie zu nichts nütze. Das muss die Kirche sagen und leben, wo auch immer sie ist. Ihr Ort ist bei denjenigen, die wenig Macht haben, sie kann keine Allianzen mit den Mächtigen eingehen. Sie muss den übermäßigen Reichtum und den Wucher anprangern, wo auch immer er herrscht, und er herrscht leider an zu vielen Stellen dieser Welt, auch bei uns.

Dorabella singt "Irgendwo auf der Welt …" und geht schließlich ab.

Kindervisionen

Vor einigen Jahren, noch vor dem Fall der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten, haben wir in der Ökumene einen großen Zeichenwettbewerb für Kinder organisiert. Sie sollten die Stadt der Hoffnung malen und, wenn sie wollten, dazu etwas schreiben. Es wurde eine wunderschöne Ausstellung mit Bildern aus aller Welt. Ich möchte am Schluss nur einige der Sätze vorlesen, die Kinder damals geschrieben haben. Auch wenn die Situation sich geändert hat, die Texte sind nach wie vor aktuell und zeigen, wie nah Kinder den biblischen Visionen sind. Jetzt lasse ich sie selber sprechen:

Ein Mädchen aus Nigeria schrieb: "Die Stadt ist von Blumen umgeben, die sie zu einer prächtigen Stadt machen … Ich wünsche mir eine Stadt, in der es keine Straßenkämpfe gibt und wo die Häuser gut und sicher gebaut sind. Spielplätze soll es geben und Fußballfelder und Schwimmbäder …"

Ein Mädchen aus Brasilien schrieb: "In der Stadt der Hoffnung sollen alle Menschen satt werden; denn wenn sie nicht satt werden, haben sie Hunger und sterben."

Ein elfjähriger Junge aus Sri Lanka schrieb: "In der Stadt der Hoffnung sollen die Häuser fest gebaut sein und nicht zerstört werden. Die Regierung soll ein Haus für die Armen bauen. Ich möchte, dass es in jedem Haus Wasser gibt und elektrischen Strom. Ich möchte keine Straßenkämpfe. Und all das wünsche ich mir, weil ich möchte, dass die Stadt voll Frieden ist."

Und schließlich hat damals eine Kindergruppe aus Riesa in der DDR ein Gedicht gemacht, das ich am Schluss vorlesen möchte.

"Wir wünschen uns eine Stadt, die mehr freundliche Menschen hat. Eine Stadt mit viel Grün Und wo die Bäume immer blüh'n. Fröhliche Klassenkameraden Und viele Schwimmbäder zum Baden. Sauber soll die Stadt sein, und die schmutzige Elbe rein. Es soll mehr Christen geben Und in der Stadt gesunde Menschen leben. Mehr Freizeit, die es sonst nicht gibt, Und viele Tiere, die man bei uns nicht sieht. Und mehr Raum für Spiele im Freien Und dass die Blumen schön gedeihen. Schöne Geschäfte mit viel drin Und fleißige Leute, wie ich es bin. Mehr Ruhe in der Stadt Und dass keiner mehr Autos hat. Fahrräder dürfen sein, aber zu Flugzeugen sagen wir: nein. So soll unsere Stadt sein.

Komm, Dorabella, ich finde, wir können eigentlich das schöne Lied vom Träumen alle zusammen noch einmal singen. Sing mit, bitte!

"Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück und ich träum davon in jedem Augenblick. Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Seligkeit Und ich träum davon schon lange, lange Zeit. Wenn ich wüsst', wo das ist, ging ich in die Welt hinein, denn ich möchte einmal recht so von Herzen glücklich sein. Irgendwo auf der Welt Fängt ein Weg zum Himmel an. Irgendwo, irgendwie, irgendwann."

Elisabeth Raiser, Historikerin und Theologin mit Clownin Dorabella