Porto Alegre

Der Ökumenische Rat der Kirchen, kurz Weltkirchenrat (oder ÖRK), vereinigt 347 Kirchen in über hundert Ländern der ganzen Welt und repräsentiert damit etwa 550 Millionen evangelische, anglikanische und orthodoxe Christen und Christinnen. Die Zentrale ist in Genf. Alle sieben Jahre kommt die Vollversammlung zusammen, die auch den Zentralausschuss wählt. Er umfasst 150 Delegierte und leitet den Weltkirchenrat zwischen den Vollversammlungen. Vom 14. bis 23. Februar fand in Porto Alegre (Brasilien) - unter dem Motto "in deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt" - die 9.Vollversammlung des ÖRK statt.

Eindrücke aus Porto Alegre
Friederike Schönemann

In den Wochen vor und auch nach der Vollversammlung in Porto Alegre lese ich in der Harzer Volksstimme fast täglich Berichte von Übergriffen auf Menschen mit dunkler Hautfarbe in Sachsen- Anhalt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Erfahrung von weltweiter Gemeinschaft wenigstens in die Kirchengemeinden getragen werden kann.

Ob meine Jugendgruppe durch die Fotos und Botschaften anderer junger Menschen, die ich für sie in Porto Alegre gesammelt habe, eine Ahnung davon bekommt, was ökumenische Begegnung sein kann? Was denken sie, wenn junge Mädchen aus Nikaragua, Grenada und Südafrika ihnen schreiben: "Wir ermutigen Euch, in der Ökumenischen Bewegung engagiert zu werden und ein Leben als Christen zu führen."?

Glücklicherweise gehört auch die Rolle des ÖRK als Begegnungsmöglichkeit jenseits eiserner Vorhänge nun fast ganz der Vergangenheit an. Für jemanden, der den Fall der Mauer von der DDR-Seite aus erlebt hat, war es ein gemischtes Gefühl aus Dankbarkeit und Solidarität, an dem gemeinsamen Gottesdienst der presbyterianischen Kirchen Nord- und Südkoreas teilzunehmen, den sie zuhause (noch) nicht feiern können.

Der orthodoxe Ritus des Brotbrechens wäre wohl bei einem ökumenischen Gottesdienst in Deutschland wegen seiner symbolischen Nähe zum Abendmahl nicht möglich. In Porto Alegre haben die Orthodoxen gerade diesen Ritus für ihr Abendgebet gewählt und mit allen Anwesenden das gesegnete Brot geteilt. Ein Zeichen des Willens zur Gemeinsamkeit, das mehr ausdrückt als Worte.

Friederike Schönemann, Vikarin in Ilsenburg (Harz)