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Klara Butting Das Schweigen Gottes Abwehr war meine erste Reaktion, als mein Kollege im Gottesdienst Elias Gotteserfahrung am Horeb mit eigenen Erfahrungen auf dem Jakobsweg in Verbindung brachte. Gehen, Schweigen, sich immer tiefer Einlassen auf die Stille, aber dann auch überraschende Begegnungen - dieser Rhythmus des Pilgerweges würde in der Eliageschichte als besondere Gotteserfahrung beschrieben, da Gott sich dem Elia im Schweigen zeige. Ich hatte allerdings das Schweigen Gottes in der Eliageschichte bis dahin immer anders verstanden - nämlich als eine furchtbare Verneinung bisheriger Gotteserfahrungen. Gott bricht seine Zuwendung ab und schweigt. Sein Schweigen ist eine Gerichtserfahrung. Diese umstrittene Gotteserfahrung am Horeb schließt an Elias Zusammenbruch in der Wüste an. Körperlich wiederhergestellt, aber immer noch verzweifelt, geht Elia zum Horeb, an jenen Ort, an dem Gott einst zu Israel und Mose gesprochen hat. Dort verkriecht Elia sich in einer Höhle, in der Hoffnung, bei Gott Schutz und Geborgenheit zu finden. Gott aber ruft ihn heraus. Gott stellt ihn von neuem vor sein Angesicht und beauftragt ihn, als Prophet in Israel zu agieren. Diese neue Beauftragung ist zugleich eine Konfrontation mit dem Schweigen Gottes. Tritt heraus, stell dich auf den Berg vor das Angesicht der Ewigen. Und da, die Ewige zog vorüber. Vor der Ewigen her kam ein großer und gewaltiger Sturm, der Berge abreißt und Felsen zertrümmert - im Sturm war die Ewige nicht. Nach dem Sturm ein Beben - im Beben war die Ewige nicht. Nach dem Beben ein Feuer - im Feuer war die Ewige nicht. Nach dem Feuer eine Stimme hauchdünnen Schweigens. Als Elia es hörte, da verhüllte er sein Angesicht mit seinem Mantel, trat hervor und stellte sich an den Eingang der Höhle. Und siehe, eine Stimme drang zu ihm: Was willst du hier, Elia? (1. Könige 19,11-13) Einst als Israel nach der Flucht aus Ägypten am Gottesberg stand, war die Ewige "im Feuer" unter gewaltigem Beben des Berges herab gefahren, um die Frauen und Männer Israels zu beauftragen, als Gottes Volk in der Welt zu leben (2. Mose 19,18). Mit Sturm, Beben und Feuer - Zeichen für seine machtvolle Zuwendung - war Gott seinem Volk zu Hilfe geeilt (Richter 5,4-5). Elia hatte auf dem Karmel diese machtvolle Zuwendung Gottes in Feuer und Sturm noch selbst erfahren (1. Könige 18,38.45). Jetzt sind die alten Zeichen leer und ohne Ausdruckskraft. Was bleibt, ist Schweigen. Das Schweigen, das Elia erfährt, ist stimmhaft. Es ist hörbar als eine Stimme leisen, verklingenden, hauchdünnen Schweigens. Aus diesem Schweigen dringt zu Elia die erneute Beauftragung zum Propheten. Ausdrücklich wird auf die "Stimme des Schweigens" zu Beginn des Dialoges, in dem Elia seine neue Beauftragung erfährt, zurückgegriffen mit den Worten: "Siehe, eine Stimme drang zu ihm" (19,13). In dem dann folgenden Dialog wird in Worte gefasst, was Elia in Konfrontation mit der Stimme des Schweigens wahrgenommen hat: Die befreiende Zuwendung Gottes zu seinem Volk scheint Vergangenheit. Elia wird beauftragt, Krieg und Bürgerkrieg in Gang zu setzen. Die Ewige sprach zu ihm: Geh, kehre um auf deinem Weg durch die Wüste zurück nach Damaskus! Wenn du dort angekommen bist, salbe Hasael zum König über Aram! Jehu, den Sohn Nimschis, sollst du zum König über Israel salben, und Elischa, den Sohn Schafats, von Abel-Mehola, sollst du zum Propheten salben an deiner Stelle. (1. Könige 19,15 f.) Elia bekommt drei Aufträge. Drei Männer soll er in ihr Amt einsetzen. Der erste ist Hasael, ein feindlicher König, der in den folgenden Jahren Israel mit Krieg überziehen wird (2. Könige 10,32; 13,3-7). Der zweite ist Jehu, noch Angehöriger des Militärs, der den Thron Israels in einem Putsch an sich bringen wird. Der dritte ist Elischa, der als Elias Nachfolger ein Teil wird des mörderischen Konflikts, dessen Verlauf dem Elia mit brutaler Klarheit vor Augen geführt wird: Und es wird geschehen, wer dem Schwert Hasaels entrinnt, den wird Jehu töten, wer dem Schwert Jehus entrinnt, den wird Elischa töten. Siebentausend lasse ich in Israel übrig, alle die Knie, die sich vor dem Baal nicht gebeugt haben, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat. (1. Könige 19,17 f.) In diesem Konflikt geht es um die Grundorientierung der Gesellschaft. Es geht um die Frage, ob Baal - das heißt übersetzt Herr und Besitzer - Gott ist oder ob die Ewige Gott ist. Es geht darum, ob Recht hat, wer Macht und Güter besitzt, oder ob auch denen Lebensrecht und Land zusteht, die arm sind und an den Rand gedrängt werden? Von Staats wegen wird diese Frage mit brutaler Gewalt vorangetrieben. Die für die Ewige eintreten, werden ausgerottet (1. Könige 18,4). Auf dem Karmel hatte Elia auf diese Situation seinerseits mit Mord an den Propheten Baals geantwortet (18,21-46). Seinen Höhepunkt und Abschluss findet dieser Konflikt in der Revolution des Putschisten Jehu, von dem gesagt wird: "Jehu tilgte den Baal aus Israels aus" (2. Könige 10,28). Dieser Bürgerkriegssituation will Elia sich entziehen. Er kann nicht mehr. Er flüchtet zu dem Gott, der am Horeb ein Leben nach fairen Ordnungen verheißen hat, - um dort zu erfahren, dass die alten Worte und Zeichen der Befreiung, die den Gott Israels charakterisieren, nicht mehr greifen. In der Situation, in der kein äußerer Feind, sondern eine innenpolitische Neuausrichtung das Überleben Israels als Gottesvolk bedroht, wiederholt Gott nicht die alten Parolen. Seine Antwort enthält allerdings auch keine Erlaubnis, sich aus dem Konflikt zurückzuziehen. Elia, der die Flucht ergriffen hat und am Horeb die heile Welt sucht, die Gott versprochen hat, stößt auf Schweigen. In diesem Schweigen hört Elia den Auftrag, dass der Streit um das Recht, das in Israel gelten soll, in Israel ausgetragen werden muss. Dabei werden ihm allerdings auch die Augen geöffnet, für alle, die in Israel ihr Knie vor Baal nicht gebeugt haben. Elia, der sich allein gelassen glaubt (19,10.14), gewinnt einen Blick für die Frauen und Männer in Israel, die bezeugen, dass die Ewige lebt und ihr Volk nicht verlassen hat. Meine Abwehr gegen die Lektüre dieser Geschichte als Paradigma eigener Pilger- und Meditationserfahrungen richtet sich gegen eine Romantisierung von Gottes Schweigen. Jeder Versuch, ein sanftes, freundliches Gottesbild in Antithese zu dem am Sinai offenbarten, in der Geschichte handelnden Gott Israels zu rekonstruieren, geht an der Eliageschichte vorbei. Die schreckliche Erfahrung, von der lebendig machenden Stimme Gottes abgeschnitten zu sein, darf nicht weggeredet werden. Und trotzdem bleibt mir ein ungutes Gefühl. Denn ich kenne auch die heilsame Erfahrung der Stille. Auch die Sehnsucht nach Orten und Zeiten der Stille darf nicht weggeredet werden. Wie also können wir die positive Erfahrung der Stille ernst nehmen, ohne die negative Erfahrung mit Gottes Schweigen zu bagatellisieren? Zumal nach meiner Wahrnehmung ein innerer Zusammenhang besteht und die gegenwärtig wachsende Sehnsucht nach Zugängen zu Gott jenseits von Worten, im Gehen oder im Schweigen, als ein Hinweis auf eine von vielen erfahrene Abwesenheit des Wortes Gottes verstanden werden muss. Ich meine damit nicht die Abwesenheit der expliziten Rede von Gott in der säkularisierten Welt, sondern die Schwierigkeit, die Stimme des Lebendigen in unserem von Wachstumslogik und Marktvorteilen geprägten Zusammenleben zu hören. Auch unsere kirchlich geprägte Sprache dringt häufig in die gegenwärtigen gesellschaftlichen Probleme nicht ein. Es gelingt nur spärlich, Gott in einer Welt, die eher von Gesetzen des Neoliberalismus als von Regeln der Humanität bestimmt ist, zu verorten. Wir reden von Gottes Liebe und seiner Gnade und von der Freiheit der Kirche, während wir gefangen sitzen in selbst gemachten, zerstörerischen Abläufen und es z. B. trotz genauer Kenntnis der Bedrohung und ihrer Ursachen nicht gelingt, der Klimaerwärmung auf dieser Erde Einhalt zu gebieten. Wie ein Spiegel gibt die Sehnsucht nach Transzendenz jenseits von Worten zu erkennen, dass Gott an vielen Orten in dieser traditionellen kirchlichen Sprache nicht zu finden ist. Wie aber diese Stille finden und genießen, ohne die - nach wie vor wirkmächtige - Leere als gemeinschaftliches Problem zu verneinen? Schweigend nach Gott suchen Schweigen hat an sich keine positive religiöse oder spirituelle Bedeutung. Im Gegenteil. Schweigen zu müssen oder nur noch schweigen zu können, ist eine schreckliche Erfahrung! Wer von lebendigen Kommunikationszusammenhängen abgeschnitten wird und verstummt, erfährt im Leben die Macht des Todes, der heute genau wie in biblischen Zeiten durch Schweigen charakterisiert ist (z. B. Psalm 31,18; 94,17). Dem entsprechend ist in der biblischen Literatur Schweigen häufig eine Folge niederschmetternder Ereignisse. Menschen verstummen, weil ihnen Erschrecken oder Gewalt die Sprache und den Atem nimmt (2. Mose 15,16; Jesaja 6,5; 23,2; Jeremia 8,14). Das hebräische Worte damam oder damah, schweigen, wird deshalb in vielen geläufigen Bibelübersetzungen auch mit "umkommen" oder "vernichtet werden" wiedergegeben (Jeremia 8,14; 48,2). Einige Texte bezeugen allerdings, dass Menschen sich dem Verstummen nicht überlassen haben, sondern im Schweigen versuchen, sich auf Gott hin zu orientieren. In Psalm 37 z. B. raten die Betenden angesichts von Unrecht, dem sie ohnmächtig gegenüber stehen, "auf die Ewige hin ausgerichtet zu schweigen" (Psalm 37,7; Luther: "Sei stille dem HERRN"; vgl. Psalm 62,1-6). Auch in den Klageliedern spielt dieses auf Gott hin orientierte Schweigen eine wichtige Rolle. Im dritten Lied klagt ein Mensch in ausweglosem Elend über Gott, der ihn ins Dunkel, nicht ins Licht geführt hat. Immerfort denkt er über seine Situation nach und droht dabei wahnsinnig zu werden (Klagelieder 3,1-21). Diese Gefahr, dass eine/r mit dem Verlust der Lebensbezüge und der Gottesbeziehung auch sich selbst verliert, markiert einen Wendepunkt in diesem Lied. Im Widerstand gegen die Selbstzerstörung rufen sich die Klagenden die Güte Gottes im Gedächtnis und rekapitulieren Überlebensregeln für Menschen, die in Bedrängnis geraten sind (3,22-37). Zu diesen Regeln gehört das Schweigen: Gut ist die Ewige zu dem, der auf sie hofft, zu der, die sie sucht. Gut ist es, wenn man schweigend auf die Hilfe der Ewigen harrt. Gut ist es für den Menschen, wenn er in seiner Jugend ein Joch trägt. Er sitze einsam und schweige, denn Gott hat es ihm auferlegt. Er neige in den Staub seinen Mund, vielleicht gibt es Hoffnung. Er biete dem, der ihn schlägt, die Wange und werde satt an Schmach. Denn nicht für immer verstößt der Herr. Denn wenn er betrübt, erbarmt er sich auch, gemäß seiner reichen Huld. Denn nicht erniedrigt er von Herzen und betrübt die Menschenkinder. (Klagelieder 3,25-33) Die Betenden erinnern sich daran, was sie von Gott gelernt haben. Güte und Erbarmen machen den Gott aus, der sich Israel am Sinai gezeigt hat (2, Mose 33,19; 34,6 f.). Die furchtbaren Erfahrungen mit Gott, die die Gegenwart prägen, gehören nicht zum Herzen, nicht zum Wesen Gottes. Eine unglaubliche Diskrepanz zwischen der groben Anschuldigung, dass Gott Menschen in seinem Zorn zerbricht (im I. Teil; 3,1-21), und den gelernten theologischen Wahrheiten von Gottes Güte und Erbarmen (im II. Teil, 3,22-39) tut sich auf. Diese Diskrepanz wird nicht zugunsten Gottes zugedeckt. In Erwartung der Güte Gottes üben sich die Betenden im Schweigen und tragen so der erfahrenen Unstimmigkeit zwischen eigener Erfahrung und theologischer Lehre Rechnung. Die überlieferten Worte von Gottes Güte sollen verhindern, dass die Klagenden im Kreisen um die eigene Gottverlassenheit sich selbst verlieren. Zugleich dürfen jedoch die überlieferten Worte von Gottes Güte und Erbarmen nicht zu Lehrsätzen erstarren oder ein Gottesbild kreieren, das die Wahrnehmung der Wirklichkeit verstellt (vgl. die Reden der Freunde Hiobs). Deshalb wird auf die Person hingewiesen, die schon in ihrer Jugend ein Joch zu tragen hatte und die Erfahrung gemacht hat, dass Schweigen schließlich zu neuer Gottesgewissheit geführt hat. Der Rat, sich auf diese Erfahrung einzulassen, ist also kein Ruf zu Resignation oder Passivität. Zu Schweigen bedeutet den Versuch, die eigene Situation zu durchleben, in der sich die Worte auflösen, weil die Wut auf Gott und die in Gott gesetzte Hoffnung nebeneinander existieren - in der Erwartung, dass der lebendige und barmherzige Gott sich von neuem zuwendet und erfahrbar wird. Zeichen der Hoffnung Der Rat, in schwierigen Zeiten Sprachlosigkeit nicht mit theologischen Lehrsätzen zu übertünchen, enthält zunächst eine Warnung für diejenigen, deren Aufgabe es ist, an Gottes Güte und Erbarmen zu erinnern. Kirchliches Selbstbewusstsein, das den Fragen der Zeit mit klar umrissenen Antworten zu Leibe rückt, wird angefragt. Ein Beispiel bietet hier das Positionspapier der EKD "Kirche der Freiheit", in dem die radikalen Umwälzungen, die mit der Globalisierung einhergehen, als Chance der Kirche benannt werden, weil die ungewisse Lebenssituation die Menschen nach Sinn und Bedeutung fragen lässt. Die Chance der Kirche soll darin bestehen, "derartige Fragen aufzunehmen und die Antworten des Glaubens in neuer Weise als Halt und Trost zu verdeutlichen. Glaubwürdige und über den Tag hinaus tragfähige Antworten haben in Zeiten der globalen Stimmenvielfalt wieder mehr Chancen, gehört zu werden" (S. 15). Während die Gegenwart durch "enorme Umwälzungen im wirtschaftlichen und politischen Bereich" gekennzeichnet ist, sind die Antworten der Kirche von diesen Umwälzungen unberührt. Die Illusion wird genährt, dass die alten Worte die Fragen unserer Zeit dadurch treffen, dass wir sie lauter sagen, selbstbewusster evangelisch Profil zeigen oder uns als Christ/innen deutlicher zu erkennen geben. Der Gefahr, dass wir uns angesichts von Angst und Unsicherheit an feste Antworten klammern und diese anderen entgegenhalten, begegnet das dritte Lied der Klagelieder mit dem Mut zur gemeinsamen Suche. Eine Vielfalt von Ausdrucksformen stehen nebeneinander: Gott wird beschuldigt, erinnert, angeschwiegen, dann aber doch auch angesprochen und um Hilfe gebeten. Das Lied endet mit der Bitte, Gott möge zu Hilfe kommen gegen die, die durch Entrechtung und Erniedrigung anderer stark werden (Klagelieder 3,64-66). Durch diese Vielfalt der Ausdrucksformen gewinnt das Lied eine große integrierende Kraft in einer Zeit, in der Verunsicherung und Ratlosigkeit über Gottes Handeln um sich greifen. Es entsteht Raum, sowohl in der Gemeinde als auch im eigenen Leben, das Nebeneinander verschiedener Stimmen zu ertragen und auch Sprachlosigkeit nicht zu verdrängen. So entsteht die Möglichkeit, auch die Verheißung zu hören, die den Zeiten gilt, in denen die Worte fehlen, das Gebet aufhört, in denen ich die Stille der Felder suche, d. h. nach Formen suche, aktiv zu schweigen. Nach Formen für solch aktives Schweigen ist gegenwärtig eine große Suchbewegung zu beobachten. Ich finde diese Möglichkeit beim Radfahren oder Reiten. Besonders wenn ich lange Zeit allein unterwegs bin, mache ich diese Erfahrung, dass das Schweigen ein Weg ist, auf dem sich die Wahrnehmungsfähigkeit von Geist und Körper erneuert. Jede Pore scheint sich zu öffnen und Körper und Geist geraten in eine Haltung vollständiger Präsenz und Aufmerksamkeit - eine Glückserfahrung, die süchtig macht, was wahrscheinlich viele, die pilgern, meditieren, wandern oder radfahren, bestätigen können. Die Klagelieder integrieren diese Erfahrung in die gemeinschaftliche Erwartung eines gerecht geordneten Zusammenlebens. Die Dichter/innen orientieren sich auf Israels Gott hin, weil sie darauf bestehen, dass Gewalt nicht ungesehen und nicht auf sich beruhen bleibt: "dass man zertritt unter seinen Füßen alle Gefangenen des Landes, dass man beugt das Recht eines Menschen vor dem Angesicht des Höchsten, dass man unterdrückt einen Menschen in seinem Rechtsstreit" (Klagelieder 3,34-36). Nicht nur die, die reden, an Gott erinnern und Antworten geben wollen, sondern auch die, die die Stille suchen, werden in diesem Lied herausgefordert, die eigene Sprachlosigkeit als ein gesellschaftliches Phänomen ernst zu nehmen, in dem sich die Leiden der Zeit spiegeln. Das Lied setzt auf die Erfahrung, dass im Schweigen Kraft zur Erneuerung erfahren wird, und hält zugleich den Schmerz über Gottes Schweigen und das eigene Verstummen im Gedächtnis. Die heilsame Erfahrung der Stille wird zu einer Kraft in der Gebrochenheit des gesellschaftlichen Lebens, zu einem Zeichen, dass es "vielleicht noch Hoffnung gibt" (Klagelieder 3,29). Literatur: Ulrike Bail, Die Farbe(n) Gottes. Der Text für den Schlussgottesdienst. 1 Könige 19,1-13a, in: Junge Kirche 5 (2006), 49-55. Ulrich Berges, Klagelieder. Herders theologischer Kommentar zum Alten Testament, Freiburg, Basel, Wien 2002. Ton Veerkamp, Die Vernichtung des Baal. Auslegung der Königsbücher (1.17-2.11), Stuttgart 1983. |
Klara Butting ist Studienleiterin bei Erev-Rav, PD Altes Testament an der Universität Lüneburg
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