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Anthea Bethge Christoph und Salima Christoph trat in die Miliz ein, als der Krieg ihm seine Verlobte und seine Kuhherde genommen hatte. "Ich war ein Kämpfer. Ich habe getötet. Aber nur auf dem Feld, nicht in den Häusern." So seine Vorstellung im Seminar für Friedensstifter/innen. Salima wurde mehrfach von Milizen vergewaltigt. Jetzt ist sie schwanger und HIV-positiv. Salima ist nur eine Figur im Rollenspiel, doch sie steht für hunderttausende Frauen im Kongo. Auch nach den Kämpfen leben sie verachtet an den Rändern der Städte. Die Teilnehmenden des Seminars sind Christ/ innen aus Bunia (Republik Kongo in Afrika) und Mitglieder der Kirchenleitung der Baptistischen Gemeinde in Zentralafrika (CBCA). Sie vertrauen darauf, dass Gottes Pläne für sie Pläne des Heils und nicht des Unheils sind und dass es in Bunia Hoffnung und Zukunft für sie geben wird. Sie sind gekommen, um eine Friedensinitiative zu planen und sich selbst zuzurüsten als Friedensstifter/ innen. Salima Wie sieht Sicherheit für Salima aus? Wie Gerechtigkeit? Auf welches Heil mag sie hoffen? Wir haben im Rollenspiel drei Interventionen erprobt. Zuerst die konventionelle Gerechtigkeit: Ein Gerichtsverfahren, täterorientiert, strafend. Christoph spielt einen der Vergewaltiger, und die ganze Szene ist schrecklich. Die beiden Täter verhöhnen das Gericht, für Salima haben sie nur Verachtung übrig. Das Urteil: 30 Jahre Haft. Salima sagt: "Ich habe nichts gewonnen. Ich bin schwanger und habe AIDS. Ich bin beschämt worden." Dann eine Intervention ganz für das Opfer: Der Pfarrer spricht mit dem Vater. Die Familie soll Salima nicht vertreiben. Eine Müttergruppe in der Gemeinde ist bereit, sie in ihre Reihen aufzunehmen. Salima sagt: "Man hat mir etwas von meiner Angst genommen. Doch ich bin schwanger und habe AIDS." Die Gruppe ist unzufrieden. Sieht Heil so erbärmlich aus? Gibt es nicht mehr Hoffnung und Zukunft für Salima? Sie spielen eine dritte Szene, weder vor Gericht noch im Haus der Familie, sondern eine öffentliche Dorfversammlung. Die Vergewaltigung wird als Verbrechen gegen den Dorffrieden verstanden. Alle müssen ihren Beitrag leisten, um diesen Frieden wieder herzustellen. Transformative Gerechtigkeit ist ein Beitrag aus Afrika für das Heil dieser Welt. Zuerst werden die beiden Milizen aufgefordert, Salimas Vater jeweils 10 Kühe zu bringen, den üblichen Brautpreis. Die Schande für die Familie wird so aufgehoben. Und sie wird mitgetragen von den Familien der Täter. Denn die Milizen protestieren zu Recht: "Wo sollen wir so viele Kühe herbekommen? Der Krieg hat sie uns genommen!" "Bittet eure Onkel um Hilfe, so wie ihr es bei einer Hochzeit auch getan hättet. Und erklärt euch." So die harten und doch hilfreichen Worte des Gesprächsleiters. Die beiden Milizen akzeptieren. Dann sollen sie noch jeder eine Ziege bringen. Eine für Salimas Mutter. Das Blut der Ziege wird die Scham wegwischen. Die andere für Salimas Onkel, der ihr Kind wie ein eigenes in seine Familie aufnehmen wird. Denn allen ist klar: Dieses Kind darf nicht einem Vergewaltiger zugerechnet werden. "Jetzt müsst ihr um Vergebung bitten." Die beiden Milizen knien vor Salimas Vater. Er vergibt ihnen. Der Sitzungsleiter schaut wohlwollend auf die beiden und sagt: "Das war eine gute Übung. Aber jetzt müsst ihr zu Salima gehen." Den beiden jungen Männern fällt dieser Gang viel schwerer. Vor einer Frau knien? Sich ihrer Gnade unterwerfen? Doch die Gemeinschaft erwartet es von ihnen. So knien sie vor Salima nieder, bekennen ihre Schuld und bitten um Vergebung. Zum ersten Mal schaut Salima auf. Nicht mehr gebückt und ihr Gesicht verbergend, sondern aufrecht sitzt sie da. Ihre Seele wächst. Sie vergibt ihnen. "Alles ist anders geworden", wird sie später sagen, und dabei strahlen. Doch das Palaver ist noch nicht zu Ende. Ein Ältester wirft ein, dass Salima auch medizinische Hilfe braucht: "Sie hat AIDS." Da ruft einer der Milizen: "Wir auch!" Die Ältesten erkennen: "Unsere Jugend hat AIDS." Sie sammeln Geld, damit alle drei in einer Krankenstation beraten werden können. Salima sagt, dass ihr Gerechtigkeit geschaffen wurde. Sie hat nun eine Vision: Eine Ausbildung zu machen, die ihr Vater mit den Kühen bezahlen kann, und dann aktiv am Wiederaufbau der Stadt mitzuwirken, als Lehrerin vielleicht. Christoph Und Christoph? Als das Seminar zu Ende ging, wurde er ausgewählt, vor vielen Gästen das Dankwort der Teilnehmenden zu sprechen. So stellte er sich wieder einmal vor: "Ich war ein Kämpfer. Ich habe getötet." Und nach einer Pause: "Ich habe vergewaltigt." Es war das dritte Rollenspiel, das ihm eine Perspektive gab. Er hatte gelernt, die Vergewaltigte zu ehren und sich zu schämen. Er war nun bereit, Verantwortung zu übernehmen für seine Tat und ihre Folgen. |
Anthea Bethge hat beim Oekumenischen Dienst Schalomdiakonat Grund- und Aufbaukurs absolviert und arbeitet seit drei Jahren als Mitarbeiterin der Vereinten Evangelischen Mission in Nordwesttansania und dem Gebiet der Großen Seen. Sie baut mit den Kirchen dort einen ökumenischen Arbeitsschwerpunkt "Konfliktbearbeitung und Menschenrechte" auf.
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