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60 Jahre ÖRK "Wir gründen diesen Rat nicht aus Ehrgeiz und um uns an Machtkämpfen zu beteiligen. Wir gründen ihn im Geist der Reue, weil wir versagt haben, gemeinsam Kirche zu sein, und um ein klareres Zeugnis abzulegen von dem Herrn, der kam, um allen zu dienen." So benannte 1948 Willem Visser't Hooft die Vision für die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Es war ein mutiger Schritt, sich nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges den Herausforderungen von Versöhnung und gegenseitiger Hilfe zu stellen und gemeinsam zu erklären: "Wir haben den festen Willen, beieinander zu bleiben." Diese Selbstverpflichtung nahm der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus I. in seiner Festpredigt zum Jubiläum am 17. Februar 2008 in der Saint-Pierre-Kathedrale in Genf auf. Der "Wille, beieinander zu bleiben" sei die Basis, um auch gegenwärtige Krisen zwischen den Kirchen zum Wohle des gemeinsamen Ganzen zu meistern. Die Frage der Mitarbeit orthodoxer Kirchen im letzten Jahrzehnt sei so eine "heilsame Krise" gewesen, die dazu geführt habe, "dass wir endlich aufrichtig, demütig und ohne Hintergedanken miteinander sprechen können, und ( ) die chronischen Schwierigkeiten überwinden (konnten), die unsere brüderlichen Beziehungen vergifteten". Während 1948 der "Wille, beieinander zu bleiben" noch eine Vision war, kann der ÖRK 2008 auf viele Zeugnisse ihrer Erfüllung blicken. Er hat eine Erfolgsgeschichte der Integration und der Gestaltung von Beziehungen geschrieben. Zunächst waren es Kirchen Europas, allen voran die deutschen Kirchen, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch den ÖRK wieder in die internationale Gemeinschaft aufgenommen wurden. Im Kalten Krieg vermochte es der ÖRK, Kirchen in Ost und West über den eisernen Vorhang hinweg nachhaltig zu verbinden. Nach der Kolonialzeit eröffnete er den Kirchen im Norden und Süden einen Ort, um Austausch und Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe zu praktizieren. Heute sind mehr als 560 Millionen Christen in 349 Kirchen aus über 120 Ländern Mitglied im ÖRK. Während die meisten ÖRK-Gründungsmitglieder europäische und nordamerikanische Kirchen waren, setzt sich die heutige Mitgliedschaft vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum zusammen. Mit "Integration" kann auch die spezielle Zuwendung des ÖRK zu Minderheiten und sein Einsatz gegen strukturelle Unterdrückung beschrieben werden: seit den 60er Jahren im "Programm zur Bekämpfung des Rassismus", seit den 70er Jahren in den Studien über die Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche, seit den 80er Jahren im "Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung", seit den 90er Jahren im Einsatz gegen Gewalt und für den Weltfrieden und in jüngster Zeit in Programmen gegen globale Bedrohungen des Lebens, wie Armut, Klimawandel und AIDS. In diesem und im nächsten Heft widmet sich die "Junge Kirche" dem Fokus "60 Jahre ÖRK" und damit einigen ihrer ureigensten Schwerpunktthemen. Wir möchten den Leser/innen ein aktuelles, facettenreiches Bild vom Weltkirchenrat zeichnen: in dieser Ausgabe durch persönliche Wahrnehmungen einiger jüngerer Veranstaltungen und der dort thematisierten gegenwärtigen Herausforderungen, in der nächsten Ausgabe durch Beiträge zu längerfristigen Prozessen und Perspektiven für die Zukunft. Mit dem Hinweis auf die zum 60-jährigen Jubiläum auf der Homepage des ÖRK zur Verfügung gestellten Bild- und Gottesdienstmaterialien hoffen wir auf Ihre Freude beim Lesen. |
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