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Die Bibel und ihre Kirche Wir haben es (bei dem Titel dieser Veranstaltung: Die Bibel und ihre Kirche) mit zwei Begriffen zu tun, von denen wir oft zu früh annehmen, wir wüssten, was damit gemeint ist. Was ist die Bibel und was ist die Kirche. Fangen wir mit der Bibel an. Ein Transitraum der Wahrheit Mit der Bibel haben wir oft weniger als wir denken und mehr, als wir denken können. Was haben wir nicht mit der Bibel? Die Bibel ist kein Buch mit einer Summe von Antworten, die uns die Worte Gottes unmittelbar mitteilen. In der katholischen Kirche hebt der Priester nach der Lesung des Evangeliums die Bibel hoch und ruft: „Wort des lebendigen Gottes!“ In alten Zeiten hielt man den Text der Bibel für unmittelbar inspiriert, und auf alten Bildern ist gezeichnet, wie der heilige Geist in Gestalt einer Taube den Evangelisten oder den Propheten das Evangelium ins Ohr flüstert. Wahrheit und Text waren eins. Wenn es so einfach wäre! Wir wissen inzwischen, dass die Weisheit nicht in das Depot eines Textes gebannt ist. Die Alten haben einen Zaun um die heiligen Texte gezogen, indem sie bestimmte Überlieferungen als verbindlich erklärt haben, andere aber nicht. Dieser Kanon ist übrigens bei Katholiken und Protestanten verschieden. Diesen Kanon durfte man nicht antasten, ihn nicht erweitern oder begrenzen. Kanonische Texte kritisch zu berühren, „verunreinigt die Hände“ (Synode von Jamnia). Aber schon Luther hat ihn angetastet, indem er den Jakobusbrief zur „strohernen Epistel“ erklärt hat. Der Text ist noch nicht die Wahrheit. Wer die Bibel liest und hört, befindet sich in einem Transitraum der Wahrheit, unterwegs mit ihr und noch nicht bei ihr angekommen. Was also ist die Bibel? Die Bibel ist das Gottesgespräch unserer Toten, unserer Väter und Mütter. Es ist ihr Gespräch, ihre Auseinandersetzung mit Gott, und eingewickelt in dieses Gespräch ist die Antwort Gottes. Aber sie ist eingewickelt. Die Gottesworte liegen nicht unmittelbar vor unseren Augen. Gott ist höflich. Er serviert uns sein Wort nicht als ein Fertiggericht. Er gibt uns Arbeit, indem er nach seiner Wahrheit in den Texten suchen heißt. Auch die falsche Rede unserer Väter und Mütter im Glauben ist dort zu finden, die nicht einfach wegzuleugnende Zeitgebundenheit ihrer Rede oder auch ihre Irrtümer. Wer Tote hat, hat ein wundervolles Erbe in ihren Visionen und Seufzern, und er muss mit ihren Irrtümern umgehen, auch mit den Irrtümern ihrer heiligen Schriften. Mit der Bibel haben wir weniger, als wir denken, und wir haben mehr, als wir denken können. Wer kann schon denken, dass einst das Recht wie Wasser fließen wird? Wer kann schon denken, was die Offenbarung sagt: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird sein.“ Wer kann schon denken, was der Prophet Jesaja verheißt: Dass einmal eine Zeit kommt, in der die Völker verlernt haben, wie man Krieg führt und in der die Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet sind! Denken kann man nur, was die Argumente uns zu denken erlauben, nämlich, dass es Kriege immer geben wird; dass die Armen arm und die Toten tot bleiben. Das Wunderbare an der Bibel ist, dass sie uns ständig in Widersprüche verwickelt. Sie widerspricht unserer Hoffnungslosigkeit, sie widerspricht unserer Bosheit. Sie ist wie eine gute Lehrerin, sie lässt uns nie dort, wo wir gerade sind. Lehren heißt, jemanden in Widersprüche verwickeln, und dies tut diese alte Lehrerin dauernd. Sie führt uns dahin, wo wir noch nicht sind. Sie bildet uns, sie bildet unser Herz und unser Gewissen. Bildung ist die Arbeit, in der wir der eigenen Dumpfheit entkommen. Jeder Bildungsvorgang ist ein Kommunikationsprozess. Es gibt keine Bildung ohne das Gespräch mit einer anderen Stimme als der eigenen. Die Hauptstimme, auf die wir hören, ist die dieser alten Lehrerin. Wenn wir auf sie hören, sind wir mehr als unser Selbstzitat. Patrizierschiff und Aschenputtelkirche Ich halte hier an und frage nach dem anderen noch nicht geklärten Begriff: Wer ist die Kirche, die die Bibel liest? Vielleicht heißt die Antwort: Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die im Wort und im Sakrament versammelt ist. Damit ist noch nicht viel mehr gesagt. Man muss fragen: Wer sind diese versammelten Gläubigen? Was verdienen sie und wem dienen sie? Welche Interessen haben sie? Wen sieht sie und wen übersieht diese Kirche? Das alles ist maßgeblich dafür, wie diese Kirche die Bibel liest. Ich beschreibe zwei Kirchen, und damit zwei Lesarten der Bibel. In Hamburg standen zwei Kirchen in unmittelbarer Nähe zueinander, die eine: die Katharinenkirche, die heute noch steht. Diese Kirche war immer schön und reich; sie war umgeben von Patrizierhäusern. Sie sieht heute noch aus wie ein großes Schiff, dem man keinen Untergang zutraut. Die andere Kirche, St. Anna, ein Steinwurf von Katharinen entfernt, jenseits des Zollkanals, sie ist untergegangen. Es war eine unscheinbare und kleine Kirche. Ein Straßenname erinnert noch an sie: Bei St. Annen. Es war die Aschenputtelkirche, umgeben von Tagelöhnerhäusern. Etwa 18.000 Menschen wohnten da auf engem Raum um die Kirche, Tagelöhner, die sich jeden Tag neu verdingten, eine kleine Stadt, gedrängt voller Menschen und voller Hunde, Katzen und Ratten. Zwei Kirchen, getrennt durch den garstigen Graben, der nicht Zollkanal heißt, sondern Armut und Reichtum. Was haben die beiden Kirchen miteinander zu tun? Ist dieser Zollgraben so leicht überwindbar wie die kleine Rinne zwischen dem Katholizismus, dem Protestantismus und der Orthodoxie und den anderen Dialekten des Christentums? Wird in den beiden Kirchen derselbe Gott angebetet? Ist dort derselbe Gott versprochen? Sagen wir nicht zu schnell Ja! Gott ist nicht ein Gott jenseits aller Gräben und immer schon über ihnen. Er ist parteiisch, er liebt St. Annen, die Kirche der Armen und der Bettelleute. Lassen wir die beiden Kirchen, lassen wir Katharina, die Vornehme, und Anna, die Unscheinbare, miteinander reden, Kirche der Herrin die eine, die Kirche der Magd die andere. Katharina kennt den Satz des Apostels Paulus aus dem Epheserbrief: „Er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft.“ Sie sagt zu Anna: Siehst du, was uns trennt, ist doch unerheblich. Es sind doch rein materielle Dinge, und Gott schaut auf das Herz und nicht auf äußeren Tand und Geld und Reichtum. Anna seufzt. Sie wäre ja gerne mit Katharina einig. Aber sie putzt bei ihr und wird schlecht bezahlt. Ihr Mann ist bei der Müllabfuhr. Er macht den Dreck von Katharina weg und verdient wenig. Katharina ist gebildet und wortgewandt. Anna aber hatte keine Zeit und kein Geld, sich zu bilden. Anna liest die Bibel etwas langsamer. Sie fängt nicht mit der Versöhnung und mit dem Frieden an. Zuerst liest sie zu ihrem Trost, dass Gott die Armen liebt; dass er der Gott der Rechtlosen ist; der Landlosen; der Gebeutelten. Könnte es sein, denkt sie, dass das Evangelium uns nicht nur vereint? Könnte es sein, dass das Evangelium auch trennt; dass es keinen faulen Frieden will; dass es den wirklichen konfessionellen Graben sichtbar macht – den zwischen Arm und Reich; zwischen Opfern und Tätern; zwischen Schlägern und Geschlagenen? Anna seufzt. Gerne würde sie dem Apostel Paulus im Hohen Lied der Liebe zustimmen, der zum Frieden mahnt und ihr sagt, dass die Liebe sich nicht erbittern lässt. Aber wie soll sie nicht bitter werden und nicht das Ihre suchen, wie der Apostel ihr vorschlägt, wenn sie kein Brot für ihre Kinder hat? Wie soll sie nicht das Ihre suchen, wenn sie ihre Miete nicht bezahlen kann? Wie soll sie nicht bitter werden, wenn sie in der Zeitung liest, dass man nun die sozialpolitischen Wucherungen zurückschneiden müsse; dass man von der falschen Metaphysik individueller Gleichheit Abschied nehmen müsse; dass nun Schluss sein müsse mit der Romantik der Gerechtigkeit? Anna runzelt die Stirn und fragt sich, ob es nicht gerade zur Freundlichkeit ihren eigenen Kindern gegenüber gehört, nicht alles zu ertragen, nicht alles zu glauben und nicht alles zu erdulden. Sie fragt sich, ob zur Liebe und zum zukünftigen Frieden nicht die heutige Skepsis den korrupten Welten gegenüber gehört; die Leugnung all der schön geschminkten Götter, die sich als die einzige Möglichkeit in der Gegenwart geben. Anna fragt sich, ob Paulus nicht auch die Empörung, die Ungeduld und den Streit als Tugenden der Liebe hätte nennen sollen; und das Vermissen: das Vermissen des Brotes der Hungernden; des Augenlichts der Blinden und der Sprache der stumm Gemachten. Keinen Sozialneid, bitte! Sagt Katharina. Vor Gott sind wir schließlich alle arm, und auch die Wohlhabenden haben ihre Sorgen. Und Sünder sind wir alle vor Gott, hauptsächlich Sünder, die Armen und die Reichen. Außerdem sind vor Gott alle gleich, der Reeder und der Arbeitslose; die Putzfrau und die Fürstin von Thurn und Taxis. Es zählen die inneren Werte: Geduld, Langmut, Freundlichkeit, der rechte Glaube. Anna wundert sich, dass Katharina, die doch all die Bücher und Theologen und Oberkirchenräte hat, ein so dummes und blasphemisches Zeug reden kann. Sie wundert sich darüber, dass Katharina gelegentlich nicht der eigene Kirchturm auf den Kopf fällt. Evangelium für die Armen Es scheint fast, als hätten Anna und Katharina verschiedene Bibeln. Auf jeden Fall lesen sie die Bibel verschieden. Kirche also ist nicht gleich Kirche, und Bibellesen nicht gleich Bibellesen. Katharina liest aus der Bibel, was ihr dient, und sie verschweigt, was ihr nicht dient. Bibellesen kann also zu einem großen Unternehmen werden, das zu legitimieren, was man immer schon wollte. Es kommt zustande, indem man verschweigt, wer die ersten Adressaten dieses Buches sind, die Armen und die Gebeutelten, die Witwen und Waisen, die Flüchlinge und Landlosen. Es gibt das Buch im Buch, das ist die Nachricht und das Evangelium für die Armen. Wenn die Kirche die Bibel liest, ist sie nicht nur getröstet und erbaut. Sie muss es auch wagen, das Buch gegen sich selber zu lesen. Sie muss es wagen, sich in Widersprüche verwickeln zu lassen. Sonst kann sogar mit der Bibel ein Blutbad angerichtet werden. Ich bringe dafür ein Beispiel aus dem Shoa-Film von Claude Lanzmann. Die Dorfbewohner von Chelmno, einem Ort in der Nähe von Auschwitz, erzählen in einer Szene, wie die Juden von den Nazis in die Kirche getrieben und von dort zur Vergasung abgetrieben wurden. Schließlich fragt sie Claude Lanzmann: „Wie konnte Ihrer Meinung nach Juden diese Geschichte passieren?“ Die Leute aus dem Dorf sind sich einig: „Es war der Wille Gottes, das ist alles!“ Eine Frau fügte hinzu: „Als Pontius Pilatus sich die Hände gewaschen hat, sagt er: ‚Dieser Mann ist unschuldig. Ich will mit dieser Geschichte nichts zu tun haben‘, und er hat Barrabas geschickt. Aber die Juden haben gerufen: ‚Sein Blut komme über uns!‘ Das ist das Ende, jetzt wissen Sie alles.“ Diese Menschen hören die Schreie der zusammengetriebenen Juden. Sie unterschieben diesem Geschehen eine verrückt gewordene Logik mit Hilfe der Bibel und deuten mit ihr die Vorgänge. Sie sind fromm. Als Lanzmann sie befragt, kommen sie gerade aus einer Messe. Ihr Glaube und ihre Lesart der Geschichte machten sie zu Zuschauern eines grandiosen Dramas der Weltgeschichte, dem man sich nicht in den Weg stellen durfte. Die Gesichter der zur Vernichtung bestimmten Menschen verschwammen vor dieser bösartigen Weltlogik, in der auch das Absurdeste wieder Sinn bekam, eine kalte und unerbittliche Welterklärung. „So musste es kommen“, dachten sie, und damit war der Schmerz der Opfer entwichtigt. Er wurde zur Opfergabe an den Sinn des Ganzen. Es gibt einen Glauben, eine Welterklärung und einen gefährlichen Sinnhunger, die die Vernichtung erklärlich machen, zulassen oder betreiben, und dies sogar mit biblischen Zitaten. Man erschrickt darüber, wie gnadenlos Religion sein kann und wie auch sie über Leichen gehen kann, manchmal sogar mit Hilfe ihrer heiligen Bücher. Sich in den Geschichten bergen Ich habe über die beiden Kirchen mit ihren verschiedenen Interessen gesprochen, über die Annaund über die Katharinakirche. Aber liest nicht auch Anna aus der Bibel, was ihr nötig ist in ihrer Armut? Wählt nicht auch sie aus? Es ist ein Unterschied zwischen diesen beiden Lesarten. Katharina liest, was ihr dient. Anna liest, was sie braucht. Dafür wiederum ein Beispiel: In Solentiname in Nicaragua unterhält sich eine Gruppe von Fischern und Bäuerinnen, alle arme Leute, über das Johannesevangelium, und zwar über folgende zwei Verse: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt lässt sein Leben für die Schafe. Wer aber nur um Lohn arbeitet, sieht den Wolf kommen, er verlässt die Schafe und flieht, weil er nicht der Hirt ist und die Schafe nicht ihm gehören. Der Wolf packt zu und zerstreut die Schafe.“ Dann die Auslegung dieser Gruppe von armen Leuten, Ernesto Cardenal hat das Gespräch dokumentiert: Manuel: Die einen sitzen in der Regierung und bereichern sich, und die anderen geben ihr Leben für ihre Brüder. William: Und wer ist der Wolf? Ich glaube, der Wolf ist die Ausbeutung, der Mensch, der, anstatt für den Menschen zu sein, Wolf für den Menschen ist. Gigi: Es heißt, der Wolf ergreift die Schafe und zerstreut sie. Und die Ausbeutung teilt die Menschen in Klassen. Und das System der Ausbeutung schafft in der Gesellschaft den Individualismus und den Egoismus und verhindert, dass die Menschen vereint sind. Thómas: Wir sind wie zerstreute Schafe. Natalia: Um vereint zu sein, müssen wir gleich sein. Hier sind zwar einige Bauern etwas besser gekleidet als die anderen, aber ich glaube, wir sind ziemlich alle gleich. Manuel: Im Stall sind alle Schafe vereint. Und Jesus ist gekommen, um die zerstreute Menschheit zu vereinen: So muss der Stall seine Kirche sein. Gigi: Aber das mit den schlechten Hirten kann man auch auf die schlechten religiösen Hirten anwenden, nicht nur auf die Politiker, nämlich, wenn sie sich die politische Macht mit den Politikern teilen und sich von den Schafen ernähren. Exegeten mögen entsetzt darüber sein, wie man hier mit dem Johannesevangelium umgeht. Was geschieht? Menschen lesen sich mit ihrem Schicksal in einen fremden Text hinein. Die einfache Frömmigkeit hat immer versucht, den garstigen Graben der Geschichte zu überspringen. Die Männer und Frauen von Solentiname sind fromm, wenn sie sich in die Geschichten der Bibel bergen. Das Evangelium wird hörbar, wo Menschen sich hineinlesen, und ihr Leben wird lesbar und bleibt nicht in stummer Hoffnungslosigkeit, wo Menschen dies tun. Der Text trifft auf die Wunden und die Sehnsucht der Menschen. Dies ist keine Funktionalisierung des Evangeliums. Die Fischer und die Bäuerinnen leben ihre Frömmigkeit und treten ein in die Geschichten, auf die sie hoffen. Sie nehmen sie als für sie geschrieben. Das eben ist der Akt der Frömmigkeit: Die Bibel nehmen, als sei sie für uns geschrieben, für uns zum Trost, für uns zur Mahnung, für uns zum Gericht und für uns zur Hoffnung. Ja, es gibt eine Gefahr dabei: dass die Bibel nur noch unser eigenes Sprachrohr wird und dass wir mit den Texten der Bibel nicht mehr sagen, als wir immer schon gewusst haben. Das Evangelium heimholen aus dem Exil abstrakter Allgemeinheit und es hören aus unserem Schmerz und unserem Glück, dürfen wir immer. Es einkerkern in uns selbst dürfen wir nicht. Wer mit der Bibel argumentiert, benutzt sie. Die Bibel liefert keine Argumente, aber sie hat Optionen, zu denen sie uns verlocken will. Die zweiten Adressaten Was ist die Bibel und wer ist die Kirche? habe ich gefragt. Die letzte Frage: Wer sind wir? Wir, die wir hier auf dem Kirchentag sind und zu den deutschen Kirchen gehören, sind durchweg nicht die Bitterarmen. Welches Anrecht auf das Evangelium haben wir? Ich erzähle eine Geschichte, die ich schon oft erzählt habe. Als Student habe ich einmal mit einem Freund eine Wanderung im oberen Donautal gemacht. Wir hatten wenig Geld und wenig zu essen. Schließlich kamen wir in ein Dorf, wo eine große Hochzeit gefeiert wurde. Wir schlichen uns ein, abgerissen, wie wir waren. Wir aßen und tranken, und man hat uns gelassen. Man darf niemanden von der Hoffnung des Evangeliums ausschließen, nicht einmal sich selber. Wir schleichen uns ein in das Evangelium. Es kann ja sein, dass wir nicht die ersten Adressaten des Evangeliums sind. Dann sind wir eben die zweiten Adressaten. Auch wir haben unsere Schmerzen, auch uns sterben Menschen, auch wir geraten in Schuld und brauchen Freispruch. Und so schleichen wir uns ein in die alte Nachricht. Man kann es, wenn man weiß, wer die Erstgemeinten sind, und wenn wir vermeiden, dass das Salz der Erde zum Balsam für Herrn Jedermann wird. |
Fulbert Steffensky Em. Professor für Religionspädagogik |